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Motorrad fahrenim Westerwald

Der Motorrad-Guide im Westerwald: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.

Der Westerwald liegt im Viereck großer Flüsse: Im Norden grenzt ihn die Sieg ab, im Westen der Rhein, im Süden die Lahn, im Osten die Dill, dazu im Nordosten die Heller. Drei Bundesländer teilen sich das Mittelgebirge – der größte Teil gehört zu Rheinland-Pfalz, kleinere Anteile liegen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Fürs Motorradfahren zählt zuerst die Höhenstaffelung. Der Niederwesterwald bewegt sich zwischen 200 und 400 Metern, der Oberwesterwald zwischen 350 und 500, darüber spannt sich die basaltische Hochfläche des Hohen Westerwaldes von rund 450 Metern bis zur Fuchskaute auf 657,3 Meter – dem höchsten Punkt der Region. Nur wenige Meter niedriger folgen Stegskopf (654,4 m) und Salzburger Kopf (654,2 m).

Motorradfahren im Westerwald

Das Relief ist vulkanischen Ursprungs. Über dem devonischen Schiefer liegen Basaltdecken, aufgetragen vor rund 22 bis 28 Millionen Jahren. Für die Fahrweise bedeutet das kein Hochgebirge mit Serpentinen, sondern eine wellige Hochebene: lange, einsehbare Kurvenzüge über offene Rücken, bewaldete Kuppen und dazwischen die eingeschnittenen Täler von Nister, Wied und Sayn. Spitzkehren gibt es im Westerwald nicht. Was es gibt, sind flüssige Landstraßen über weite Höhen und der ständige Wechsel aus Wald, Feld und Talgrund.

Diese Dreiteilung merkt man im Sattel. Der Niederwesterwald im Westen fällt in kurzen, kräftigen Wellen zum Rhein hin ab; der Oberwesterwald um die Westerwälder Seenplatte ist flacher und offener, mit langen Geraden zwischen den Weihern; der Hohe Westerwald im Osten trägt die kühlen Basaltrücken und die einzigen echten Höhenmeter. Zwischen den offenen Höhenstraßen liefern die Taleinschnitte der Flüsse die kurvigen Gegenstücke – enge Führung am Wasser statt weiter Sicht über die Kuppen.

Als Gegenstück zu den weiten Höhen schneidet die Nister, aus dem Hohen Westerwald kommend, ein enges, stark gewundenes Tal in die Landschaft. Zwischen Hachenburg und der unteren Nister legt sie an ihren Steilhängen Felswände frei – Grundlage für den Landschaftsnamen Kroppacher Schweiz. Solche Einschnitte zwingen zu langsamerem, verwinkelterem Fahren und liefern den Rhythmuswechsel, der eine Tagestour über den sonst breit angelegten Westerwald gliedert.

Motorrad auf einer Straße durch dichten grünen Laubwald
Durch den Westerwälder Laubwald

Die klassische Auffahrt beginnt am Rhein. Die B413 setzt in Bendorf bei Koblenz an, folgt zunächst dem Saynbachtal und arbeitet sich dann über Dierdorf, Herschbach und Höchstenbach auf rund 43 Kilometern in den vorderen Westerwald bis Hachenburg hinauf. Der Übergang vom engen Flusstal in die offene Hügellandschaft macht diese Strecke aus – erst Talführung am Bach, dann Höhenlinie.

Oben auf der Hochfläche kreuzen sich die großen Achsen bei Rennerod. Die B54 quert den Hohen Westerwald zwischen dem Siegerland (Wilnsdorf, Burbach) im Norden und dem Lahntal bei Limburg im Süden; nahe dem Salzburger Kopf erreicht sie mit etwa 630 Metern ihren höchsten Punkt. Quer dazu verbindet die B255 das westliche Montabaur über Langenhahn und Rennerod mit Rehe und dem hessischen Herborn. Von Rennerod laufen die Höhenstraßen in alle Richtungen auseinander – der natürliche Dreh- und Angelpunkt einer Tagestour über den Kamm.

Weiter nördlich zieht die B8 von Wallmerod über Steinen an der Westerwälder Seenplatte vorbei nach Altenkirchen, wo sie auf die B256 und die B414 trifft. Die B414 umfährt Hachenburg (350 m) und spannt den Bogen weiter nach Bad Marienberg und Altenkirchen. Zwischen diesen Bundesstraßen liegt ein dichtes Netz aus Landes- und Kreisstraßen, das die Dörfer der Hochfläche verbindet – kurvig, wenig befahren und ohne den Durchgangsverkehr der großen Achsen.

Zwei Motorräder in einer weiten Kurve auf der Landstraße
Kurvenfolge im Westerwald

Das seenreiche Kernstück des Oberwesterwaldes liegt im Viereck zwischen Hachenburg, Westerburg, Montabaur und Dierdorf – flaches, offenes Gelände mit langen, gut einsehbaren Landstraßen zwischen den Weihern. Am westlichen Rand um Höhr-Grenzhausen und Montabaur fällt die Fläche in kurzen Stufen zum Rhein hin ab; aus dem Neuwieder Becken führen von dort mehrere Zufahrten hinauf. Der Westerwald hat damit an jeder Kante einen anderen Einstieg – flach und weit im Oberland, stufig und eng an den Talrändern.

Von Süden und Westen sind die Zufahrten kurz. Bei Montabaur – mit ICE-Halt an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main und eigener Anschlussstelle an der A3 – steigt man aus dem Rhein-Main-Raum in wenigen Minuten in den Westerwald ein. Die B49 im Lahntal bildet die Südkante, von der aus B54 und weitere Landstraßen nach Norden in die Höhe ziehen. So bleibt die Anfahrt aus dem Ballungsraum knapp, während die eigentliche Strecke oben auf der Fläche liegt.

Das Höhenklima prägt das Fahren spürbar. Der Hohe Westerwald ist die kühlere, im Winter schneereichere Ecke der Region; im Sommer heißt das angenehm temperierte Luft auf den Rücken, während die Täler von Rhein und Lahn längst in der Wärme stehen. Die Hauptsaison liegt zwischen Frühjahr und Herbst, wenn die offenen Hochlagen freie Sicht über die Kuppen geben. Auf den freistehenden Rücken zwischen Rennerod und Bad Marienberg weht es oft – dafür reicht der Blick bei klarer Luft weit über die basaltischen Höhen.

Motorrad in Schräglage auf einer von Bäumen gesäumten Straße
Schräglage unter Bäumen

Was den Westerwald als Motorradrevier ausmacht, ist weniger die absolute Höhe als die Fläche und der Fluss. Statt einzelner Passstraßen gibt es ein zusammenhängendes Hochland, das sich auf Dutzenden gleichwertigen Linien queren lässt, und mit Rhein-, Lahn- und Siegtal drei tief eingeschnittene Ränder als Anschluss in die Nachbarregionen. Kurze Anfahrt aus dem Rheinland, aus dem Rhein-Main-Gebiet und aus dem Siegerland, dazu eine überschaubare Ausdehnung: Der Westerwald lässt sich an einem Tag durchqueren und trägt trotzdem genug Strecke für mehrere.

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